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Bellermont / Unter Stein

Dolomiten, 15.02.2014
„Den Durchblick hat niemand“

   

„Sie machen sehenswertes zeitgenössisches Theater, künstlich, schrill und laut wie die Zeit, von der es handelt...“

Von Margit Oberhammer

BOZEN. Kathrin Röggla gibt ihr Stück als Spielwiese für Regisseure und Schauspieler frei. Es darf gekürzt, umgestellt, an den Bedürfnissen des jeweiligen Theaters angepasst werden.
Torsten Schilling nimmt die Spielwiese beim Wort. Er setzt ein großes Aufgebot an Playmobil-Spielzeug ein. Die Plastik-Männchen passen ausgezeichnet zum Text und zu seinem Thema. Kathrin Röggla hat ein artistisch-verfremdetes Sprachspiel verfasst, eine rhythmische Textfläche mit ineinander verschwimmenden Rollen. Das für die Wiener Festwochen 2005 entstandene Auftragswerk nimmt die außer Rand und Band geratene neoliberale Marktwirtschaft ins Visier. Die Autorin hat bei allen möglichen Beratern recherchiert: bei Kauf-, Bank-, Immoblilien-, Schuldenberatern. Vor allem bei Letzteren.
Den Durchblick hat niemand. Das Gerede von der Dunkelziffer macht sich breit. Eine Analyse löst die nächste ab. Niemand weiß, ob sie der Beruhigung oder der Panikmache oder noch was ganz anderem dient. Was im einem Augenblick angepriesen wird, entpuppt sich im nächten als Falle. Die Inszenierung findet die passenden Bilder dafür. Die in- und übereinander purzelnden, mit Miniaturkameras gefilmten und auf die Bühne projizierten Spielzeugmännchen sind Opfer und Täter, Kinder und Alte, Bankräuber und Mittelstandsleichen. Eva Kuen, Peter Schorn und Christina Khuen betätigen sich höchst versiert als Puppenspieler, verfremden ihre Stimme und verpassen den Plastikfigürchen witzige regionale Zuordnungen quer durch die deutschsprachige Landschaft.
Zwischendurch übernehmen sie selbst. Sie sind die Marktregulierer und Sozialfahnder, das Inkassopersonal und die Stromabsteller, die Insolvenzverwalter des Stücks. Sie nehmen das „Toben“ im Titel ernst und machen sehr laut Musik. Sie singen neben Rögglas Texten auch ein paar Schlager, deren Qualität dahingestellt sei. Sie singen, spielen Gitarre, Mundharmonika und Keyboard, trommeln auf Blech und auf Pappe. Sie singen von den laufenden Krediten und den Sonderangebotspreisen, sie brüllen den Schuldnern in die Ohren. Sie machen sehenswertes zeitgenössisches Theater, künstlich, schrill und laut wie die Zeit, von der es handelt. „Der Kapitalismus liebt nicht die Stille“, sagte der Philosoph Byung-Chul Han neulich im Gespräch mit Thomas Ostermeier, dem Intendanten der Berliner Schaubühne.

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