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NACHT TRAUM REISE

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NACHT TRAUM REISE


www.stol.it – Kultur, 06.12.2010
Das Kreuz mit der Kunst

   

Etwas seltsam mutet der Blick auf die leere Stelle und die zurückgebliebenen Löcher in der Wand über der Eingangstür des Bozner Museion an, wo einst der spektakuläre Kippenberger Frosch hing.

Fabrik Azzurro und sein Künstlerischer Leiter Torsten Schilling haben sich mit dem Projekt „Kreuz + Quer“ in Zusammenarbeit mit dem Museion der skandalträchtigen Geschichte noch einmal angenommen. Eine amüsante und doppelbödige Reise durch die kunstsinnige Südtiroler Kulturlandschaft ist entstanden, die ernsthaft vorgibt, sich der ungelösten Gretchenfrage nach der wahren Bedeutung der Kunst anzunehmen. Mit einem kopfschüttelnden Augenzwinkern auf den imaginären Frosch, der ganz stumm und geduldig Diskussionen, Hungerstreiks und politische Krisensitzungen über sich ergehen lassen hat, lässt sich das Publikum vom russischen Kulturjournalisten Boris Andreewitsch Borisowskij in ein besonderes Kunst-Theaterprojekt einführen.

Russischer Kulturjournalist auf der Spur nach dem Geheimnis Südtirol
Diese schillernde Kunstfigur in weißem Anzug, gelber Krawatte und mit schwarzer Elvistolle ist extra von Russland angereist, um der besonderen Leidenschaft der Südtiroler für die Gegenwartskunst, die internationale Medienaufmerksamkeit erregt hat, auf die Spur zu kommen. Das Publikum wird auf einem Kunstparcours durch das unüberschaubare Dickicht der über 1300 Werke der Sammlung Museion geführt, die auf einfachen Metallpaneelen eng aneinandergehängt scheinbar nur angespannt auf die Interessenten ihrer letzten Auktion warten. Ein Ausverkauf der Kunst, den vier besondere Figuren mit ihren ganz persönlichen Ansichten und Einsichten über Kunst kurz erhellen.

Vier leichte Monologe über das Gewicht der Kunst
Die vier Südtiroler Autoren Selma Mahlknecht, Heinrich Schwazer, Brigitte Knapp und Kurt Lanthaler haben für dieses Projekt ebenso viele Monologe geschrieben und dabei so wunderbar wunderliche Gestalten geschaffen wie Mahlknechts zwänglerischen leisen Lyriker (Paul Tappeiner), dessen Ehefrau im Schweiße ihres Angesichts töpfert und der plötzlich ganz böse gegen die entartete Kunstszene anschreit und im zugeknöpftem blauen Strickjacket seine verkannten Verse drucken lässt, um seine Urenkel zu Millionären zu machen.

Von rechten Gehirnhälften und der Frage nach dem optimalen Vorhangstoff
Schwazer schickt in „Nigeria“ eine überzeugend zynisch entseelte Christina Khuen im rosanen Kostümchen als Kunstexpertin auf die versnobten Möchtegern-Kunstkenner los und entlarvt den wahren Wert der Gegenwartskunst in ihrer Kapitalanlagefunktion. Peter Schorns Marketing orientierter Banker, der für Leistungsoptimierung durch Training der rechten Gehirnhälfte plädiert, besticht durch seine kindliche Verlorenheit, die sich alsdann als knallharter Jobverlust entpuppt. Blumigst gestylt von der wendigen Ausstatterin Zita Pichler verkörpert Sabine Ladurner schließlich Lanthalers entzauberte Innenarchitektin, die sich effizient und beflissen ins verhasste Museum gezwungen sieht, um die Farbnuancen gewisser Vorhangstoffe zu kopieren.

Eine Videoinstallation von Florian Pichler im Foyer des Museions hält schließlich das Ergebnis von Borisowskijs Feldforschung in der Provinz fest. In kurzen Interviews fängt er die Sicht der Südtiroler auf die Gegenwartskunst ein. Amüsant und aufschlussreich.

Ein unterhaltsamer Ausflug in die Hallen des großen Südtiroler Kunsttempels knapp zwei Jahre nach dem spektakulären Froscheklat, eine Bestandsaufnahme der wandelbaren und streitbaren Volksseele aus der Distanz des ironisch angeschrägten Blickwinkels von Spielleiter Torsten Schilling.

Jutta Telser


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