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Es war ein glücklicher Zufall, als die Leute von Fabrik Azzurro im Sommer 2010 in der Cafeteria des Bozner Museions auf Boris Andreewitsch Borisowskij trafen. Der neugierige, oft unbequeme Journalist hatte in der Moskauer Presse von der skandalumwitterten Eröffnung des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst gelesen – und in diesem Zusammenhang erstmalig von der Existenz Südtirols erfahren.
Staune und registrierte er, dass ein einzelnes kleines Kunstwerk (die Gründe für dessen Anstößig­keit konnte er freilich nicht ganz nachvollziehen) ein ganzes Volk in helle Aufregung versetzte. Ihn faszinierte es, im 21. Jahrhundert einen Ort zu wissen, wo Gegenwartskunst noch so eine breite Öffentlichkeitswirkung erzielt. Und nun war er hier.

Fabrik Azzurro hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine szenische Installation zu entwickeln, in der die 2007 – oft polemisch instrumentalisierte und an Kippenbergers Skulptur vorbei – geführte Diskussion in ihren kulturpolitischen Aspekten aus heutiger Sicht wieder aufgenommen werden sollte. Dabei ging es keinesfalls um ein Aufwärmen der leidigen „Froschgeschichte“, sondern um die künstlerische Fragestellung, wie es heute, im Jahre 2010, um die Verankerung von Gegen­wartskunst in der Bevölkerung Südtirols steht. Nicht die Kunstwerke selbst würden im Focus stehen, sondern vielmehr ob, wie und warum sie Beachtung finden.
Angeregt zu diesem Stoff hatten einst die Schauspielerinnen und Leserbrief-Leserinnen Patrizia Pfeifer und Sabine Ladurner, geformt war das Ganze nun durch die Zeit, das Auf und Ab der Rahmenbedingungen und viele rauchende Köpfe.
Staunend registrierte nunmehr das Team von Fabrik Azzurro die enorme Kürzung der Subventions­mittel seitens der Kulturabteilung der Autonomen Provinz, die das Projekt seit der Einreichung im November 2009 erfahren musste. Jeder Verdacht war absurd ... natürlich (!) ... aber trotzdem war man hier.

Texte zum dramatischen Teil des Unternehmens waren auch hier. Geschrieben von vier Süd­tiroler AutorInnen und dramaturgisch bearbeitet von Sabine Göttel - als Monologe zum Thema:
Kurt Lanthaler lässt eine Innenausstatterin zu Wort kommen, der die Kunst verleidet ist, weil sie von ihren Kunden modisch missbraucht wird. Selma Mahlknecht schickt einen Herrn ins Museion, dessen künstlerische Genialität – nach seinem Selbstbild – verkannt wird. Bei Brigitte Knapp plädiert ein Manager für die Beschäftigung mit Kunst, weil auf diesem Wege die zweite Gehirnhälfte trainiert und somit die Leistungsfähigkeit gesteigert werden könne. Und Heinrich Schwazer verleiht einer Expertin Gestalt, die ihr Interesse konsequent auf den Marktwert von Kunstwerken richtet. Letztlich  steuerte auch noch Robert Pichler, seines Zeichens Karikaturist und Texter, Fakten und Wortwerk für Boris bei.

Man saß also beieinander im Café dieses neuen Kunsthauses und diskutierte. Und da ja bekanntlich Synergien nicht unbedingt das Geld vermehren (Gott, Kreuz und Quer sei Dank hatten sich einige engagierte Sponsoren gefunden!) – aber zumindest den kreativen Input erhöhen, wurde dem Projekt unter der künstlerischen Leitung von Torsten Schilling Leben eingehaucht:

Gefolgt von einem Kamerateam bereiste Boris Andreewitsch Borisowskij das Land und befragte Jung und Alt, Groß und Klein, Arm und Reich über ihre individuellen Erfahrungen mit zeitgenössischer Kunst. Die Ergebnisse dieser Interviews wurden von Florian Kofler bearbeitet und in einer Videoinstallation dokumentiert. Dieses Werk ist als permanenter Loop von Ende November 2010 bis Januar 2011 im Foyer des Museions zu erleben.

Die Ausstellung „-2+3“ von Stefano Arienti und Massimo Bartolini ist für diese Arbeit von Fabik Azzurro der ideale Rahmen: Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Sammeln und Erhalten von zeitgenössischen Kunstwerken. Die Sammlung, das Archiv, wird der Öffentlichkeit sichtbar gemacht und somit zum Gesamtkunstwerk. Hier wird eine Ahnung über die Menge und Vielfalt der Werke vermittelt, die im Besitz des Museions sind. Diese Menge und Vielfalt entspricht wahrscheinlich jener der Meinungen, Ansichten und Haltungen über diese Werke.

An den Aufführungstagen begrüßt also Boris A. Borisowskij live das Publikum im Museion und geleitet es – seiner Neugier und Gesprächsfreudigkeit sowie seinem Humor freien Lauf lassend – in den dritten Stock der Ausstellung.
Aufgeteilt in Gruppen und inmitten des Parcours der Sammlung Museion begegnet man dort den Figuren der Kunststücke, welche die Besucher unmittelbar mit ihren Ansichten, Beobachtungen, Erfahrungen, Utopien zum Thema konfrontieren.

In Szene gesetzt von Torsten Schilling, ausgestattet von Zita Pichler sowie dargestellt von den SchauspielerInnen Christina Khuen, Sabine Ladurner, Peter Schorn und Paul Tappeiner hoffen diese Figuren natürlich genau so wie das gesamte Team von Fabrik Azzurro und das des Museion auf ein intensives Nachspiel zu den „Kunststücken mit Vorspiel“. Das sollte sich dann vor allem „KREUZ+QUER“ durch die Köpfe, Herzen, Augen, Ohren und Münder vieler, vieler interessierter Menschen ziehen und in der Offenheit gipfeln, sich inspirieren zu lassen, miteinander zu reden. Sich desinteressiert abzuwenden, sich starr hinter der eigene Haltung zu verbarrikadieren oder seinen Zorn in anonyme Leserbriefe zu leiten: all das hat bislang nur dem Frust zum Aufschwung verholfen.

An den Aufführungstagen des Gesamtprojekts kann man sich auch gleich direkt vor Ort ein Bild von der neuen Ausstellung Museion machen: individuell oder durch Führungen und Kunstgespräche, die von fachkundigen Mitarbeitern des Museions angeboten werden.

Ein Projekt von Fabrik Azzurro in Zusammenarbeit mit dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen.

Premiere am Do 02. Dezember 2010 im Museion Bozen


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